Ausgangslage

Die Anzahl der Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer hat sich zwischen 2003 und 2007 auf 700.000 verdoppelt und wird auch künftig weiter zunehmen. Jedoch zeigen Untersuchungen, dass insbesondere im Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz gravierende Unterschiede zwischen der Leiharbeit und dem Normalarbeitsverhältnis bestehen.

Die Arbeits- und Beschäftigungsbedingungen, denen Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer in den Entleihunternehmen ausgesetzt werden, führen zu einem vergleichsweise hohen Gefährdungs- und Belastungspotenzial: Leiharbeitnehmerinnen und Leiharbeitnehmer sind u. a. aufgrund kurzzyklischer und proportional häufiger Einsätze im Produktions- und Hilfssektor an wechselnden Arbeitsplätzen verstärkt der Gefahr von Arbeitsunfällen ausgesetzt, oft fehlen auch die vorgeschriebenen Unterweisungen.

Die Gefährdungen sind allerdings nicht nur physischer, sondern verstärkt emotionaler und psychischer Art. Alles deutet darauf hin, dass sich die Kombination aus physischen und psychischen Belastungen beim Arbeitseinsatz vorwiegend in seelisch-körperlichen Fehlbeanspruchungen (z.B. Muskel-Skelett-Erkrankungen) äußert.

An diesem Punkt setzt das Verbundprojekt GRAziL an.

Zum Sprachgebrauch im GRAziL-Projekt

Das GRAziL-Projekt verwendet die Begriffe Leiharbeit, Leiharbeitnehmer/-in, Zeitarbeitsunternehmen und Entleihunternehmen.

Die Verwendung der Begriffe Leiharbeit und Leiharbeitnehmer/-in ist angelehnt an das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG), das diese Terminologie** gebraucht.
Das GRAziL-Projekt verwendet Leiharbeit und Leiharbeitnehmer/-in, da diese Bezeichnungen den Sachverhalt, nämlich das Verleihen von Arbeitnehmern/-innen genau widerspiegelt. Die Entleihunternehmen selbst sprechen in der Mehrzahl ebenso von Leiharbeit, weil dieser Begriff die Besonderheit und Funktion des Beschäftigungsverhältnisses beinhaltet, das sich von der Stammbelegschaft bewusst unterscheiden soll.

Die Unternehmen, die Leiharbeitnehmer/-innen verleihen, werden im AÜG „Verleiher“ genannt. Sie selbst bezeichnen sich als Zeitarbeitsunternehmen und werden im GRAziL-Projekt ebenfalls so benannt. Der Begriff Zeitarbeit für die Arbeitnehmerüberlassung und der Begriff Kunden- bzw. Einsatzbetrieb für Entleihunternehmen werden aber nicht akzeptiert, da sie irreführend sind und einseitige, unangemessene Bezeichnungen darstellen.

Der Begriff Zeitarbeit ist ein von den Zeitarbeitsverbänden politisch gesetzter Begriff. Dieser stellt die Realität “verschönt” dar, indem er auf Zeit, statt auf das in der Öffentlichkeit als kritisch beurteilte “Verleihen” abzielt. Diesem verschönenden Gebrauch trägt der GRAziL-Verbund nicht mit.

„Beschäftigungsverhältnisse sind Folge des Kaufs und Verkaufs von Arbeitskraft. Das zeitweise Überlassen einer gekauften Sache gegen die Zahlung eines Preises wird als „Verleihen“ bezeichnet. Folglich ist der Begriff „Verleihen“ auch für die Weitervermietung gekaufter Arbeitskraft korrekt. Es ist daher im Folgenden von „Leiharbeit“ (…) die Rede.“ (Syben, Prof. Dr.: 2009)

**neben Arbeitnehmerüberlassung

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 27. Mai, 2013