Projektleitbild

Leitbild Projekt GRAziL

GRAziL steht für: „Gestaltung, Umsetzung und Transfer von Instrumenten zum Ressourcenmanagement und zum Arbeitsschutz im Rahmen eines zielgruppenbezogenen Ansatzes für Leiharbeitnehmer/-innen in Entleihunternehmen“. Das Arbeitsschutzprojekt hat sich zum Ziel gesetzt, die Arbeits- und Gesundheitsschutzbedingungen der Leiharbeitnehmer/-innen und der mit ihnen zusammen arbeitenden Stammbeschäftigten zu verbessern.

Zur Begriffsverwendung Leiharbeit – Zeitarbeit?

Das GRAziL-Projekt verwendet die Begriffe Leiharbeit, Leiharbeitnehmer/-innen, Zeitarbeitsunternehmen und Entleihunternehmen. Die Verwendung der Begriffe Leiharbeit und Leiharbeitskräfte ist angelehnt an das Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG), das diese Terminologie gebraucht. Die Bezeichnung Leiharbeit und Leiharbeitnehmer/-innen spiegeln den Sachverhalt der Arbeitnehmerüberlassung noch am ehesten wider. Der Begriff Zeitarbeitnehmer ist diffus und missverständlich und kennzeichnet nicht das zu “Bezeichnende“, da alle Erwerbstätigen zu bestimmten Zeiten und in bestimmten Zeitregimen arbeiten. Die meisten Akteursgruppen und Akteure in den Entleihunternehmen mit Ausnahme einiger Arbeitgebervertreter sprechen ebenfalls von Leiharbeit, da dieser Begriff die Besonderheit und Funktion des Beschäftigungsverhältnisses beinhaltet und damit bewusst die Unterscheidung zum Stammarbeitsverhältnis kenntlich macht.

Die Unternehmen, die Leiharbeitnehmer/-innen verleihen, werden im AÜG „Verleiher“ genannt. Sie selbst bezeichnen sich als Zeitarbeitsunternehmen. Im GRAziL-Projekt wird daher die von Verleihern selbst gewählte Bezeichnung Zeitarbeitsunternehmen verwendet.

Leitbild “Equal Treatment“

Das GRAziL-Projekt hat sich die Umsetzung von „Equal Treatment“ zum Ziel gesetzt: Mit „Equal Treatment“, welches auch die Forderung nach „Equal Pay“, also gleiches Arbeitsentgelt beinhaltet, ist gemeint, dass die Leiharbeitnehmer/-innen im Rahmen einer Arbeitnehmerüberlassung den Stammarbeitnehmern/-innen gleichgestellt sind (Gleichstellungsgrundsatz).

An diesem Punkt setzt GRAziL an. Im Einklang mit geltendem Recht wie dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz, dem Arbeitsschutzgesetz und dem Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz fordert das Projekt lediglich deren Umsetzung und will die direkt relevanten Akteursgruppen in den Betrieben befähigen, Sicherheit und Gesundheit der Leiharbeitnehmer/-innen zu gewährleisten! Dies stellt die projekt-bezogene Mission dar, die sich als umfassende Orientierung sowohl auf Inhalt und Strategie wie auch auf Kultur und Selbstverständnis aller Partner des Projektes bezieht. Damit möchte das Projektkonsortium GRAziL einen Beitrag dazu leisten, der gegenwärtig zu beobachtenden Erosion mühsam aufgebauter Betriebskulturen, die an den Toren der Unternehmen nicht halt macht und sich von der Erwerbsarbeit ausgehend auch gesamtgesellschaftlich auswirkt, entgegen zu wirken.

Zielsystem

Obwohl nicht explizit im Titel GRAziL genannt, kommt das Leitbild „Equal Treatment“ in der Differenzierung nach Zielgruppen und durch die praktische Gestaltung und Umsetzung von Konzepten und Maßnahmen zum Tragen (siehe Zielsystem).

Zielsystem Grazil_HP

Abbildung: Zielsystem GRAziL (auch als pdf-Datei)

Speziell bei der im Fokus stehenden Zielgruppe der Leiharbeitnehmer/-innen muss deren besonderer psychischer Belastungskonfiguration Aufmerksamkeit geschenkt werden. Psychische Belastungen in der Leiharbeit gehen über arbeitsbedingte Faktoren (z. B. Zukunftsunsicherheit, gesellschaftliche Ausgrenzung, geringeres Entgelt etc.) hinaus und erhöhen sich umso mehr, je weniger Gleichstellungsmerkmale gegeben sind. Dieser die Kohärenz betreffende Sachverhalt soll soweit möglich bei der Erarbeitung von Lösungsansätzen im GRAzil Projekt berücksichtigt werden (z. B. Erarbeitung von Übernahme-Konzepten).


Salutogenetischer Ansatz

Wichtige arbeitswissenschaftliche Ansätze bei der Gestaltung von „Equal Treatment“ für Leiharbeitskräfte in Entleihunternehmen sind der Ansatz einer salutogenetischen Arbeitsgestaltung, die das Bewältigungsvermögen für Belastungen stärken soll und die Durchführung einer ganzheitlichen Gefährdungsbeurteilung, die den anforderungsgerechten und sicheren Arbeitseinsatz und die damit verbundenen sachgerechten Unterweisungen gewährleisten. Es muss gelten, dass arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse nach dem Stand der Forschung sowie arbeitsrechtliche Bestimmungen für Leiharbeitnehmer/-innen gleichermaßen angewendet werden wie für Stammarbeitnehmer/-innen.


Gestaltung guter Leiharbeit

Leiharbeit wird auch in Zukunft ein fester Bestandteil auf dem Arbeitsmarkt sein. Dem Projekt GRAziL geht es jedoch nicht darum, das Image der Leiharbeitsbranche zu verbessern. Es ist vielmehr das Ziel des Projektes, die Arbeits- und Gesundheitsschutzsituation der als Leiharbeitnehmer/-in Beschäftigen zu optimieren und damit nachhaltig zu stärken.

Letzte Aktualisierung dieser Seite: 16. August, 2013